Die Unternehmensgeschichte der HIM

Die 70er Jahre: Schaffen der Voraussetzungen für eine geregelte Sonderabfallentsorgung

Mit der Gründung der "Industriemüllgesellschaft mbH" 1972 durch hessische Industrieunternehmen und Verbände war Hessen eines der ersten Bundesländer, das spezielle Vorkehrungen für die Entsorgung von Sonderabfällen traf. Zweck war der Aufbau einer Organisation für die geordnete Beseitigung von Sonderabfällen. Mit dem 1. Abfallgesetz vom Juni 1972 war die Abfallbeseitigung zu einer öffentlichen Aufgabe des Umweltschutzes geworden, die Länder wurden zu einer überörtlichen Abfallbeseitigungsplanung verpflichtet. Bis dahin war das Recht der Abfallentsorgung nur äußerst lückenhaft geregelt. So gab es zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts in der Bundesrepublik Deutschland ca. 50.000 wilde "Müllkippen" - zum Teil in hochverdichteten Siedlungsräumen.

Geprägt war diese Zeit von massiven Umweltskandalen durch illegale Beseitigungen, die die Lebensgrundlagen Wasser, Luft und Boden stark gefährdeten. Das Land Hessen beteiligte sich 1974 an dieser Gesellschaft, um seine Aufgabe der Infrastruktur-Vorsorge zu erfüllen. Das Unternehmen wurde in HIM Hessische Industriemüll GmbH umgewandelt. 1975 wurde die HIM mit der landesweiten Organisation der Sonderabfallentsorgung sowie mit der Planung, dem Bau und dem Betrieb der dafür benötigten Anlagen betraut. Die Anlagenplanung führte die HIM auf der Grundlage von Erhebungen zu erwartender Abfallmengen durch hessische Industrie- und Handelskammern durch. Die folgenden Jahre waren von hohen Investitionen geprägt.

1978 nahm die HIM die chemisch- physikalischen Behandlungsanlagen und Sammelstellen in Frankfurt und Kassel in Betrieb. Mit der "Verordnung über die Beseitigung von Sonderabfällen aus Industrie und Gewerbe" (Sonderabfall-Verordnung) vom 13. November 1978 wurde sie - nunmehr gesetzlich verankert - zum Träger der Beseitigung von Sonderabfällen bestimmt, der die Organisation der Abfallbeseitigung, ferner den Bau und Betrieb von Anlagen zur Beseitigung dieser Abfälle übernimmt. In der gleichen Verordnung wurde festgelegt, dass die Beseitigungspflichtigen die bei ihnen anfallenden Sonderabfälle der HIM als Träger der Abfallbeseitigung zu überlassen haben, soweit ihnen nicht die Beseitigung der Abfälle in betriebseigenen Anlagen übertragen worden ist. Die HIM wurde gleichzeitig verpflichtet, die Abfälle anzunehmen.


Die 80er Jahre: Fehlende Kapazitäten und Sondermüllnotstand

1982 nahm die schon damals den Stand der Technik repräsentierende Sonderabfallverbrennungsanlage in Biebesheim den Betrieb auf. Ein Jahr zuvor wurde am gleichen Standort die Emulsionstrennanlage in Betrieb genommen. Insgesamt hatte die HIM bis zum Jahre 1983 rund 200 Mio. DM investiert, die sie in die Lage versetzten, ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen. Bis dahin war die Verbrennung auf hoher See das übliche Entsorgungsverfahren für halogenierte flüssige Sonderabfälle, feste und schlammige, brennbare Sonderabfälle wurden meist noch deponiert.

Die folgenden Jahre waren geprägt von kontinuierlich ansteigenden Sonderabfallmengen und Umsatzerlösen. Der Vermeidung und Verwertung von Sonderabfällen wurde durch das Abfallgesetz von 1986 eine größere Bedeutung zugemessen. Die Einschätzung der HIM, dass dennoch auch zukünftig nicht mit einem Rückgang der zu beseitigenden Sonderabfällen zu rechnen sei, erwies sich als richtig. Mit zunehmendem Umweltbewusstsein wurden immer mehr schadstoffbelastete Abfälle erkannt und mussten einer geordneten Entsorgung durch die HIM zugeführt werden. Dies schien eine Steigerung von Verbrennungskapazität notwendig zu machen. Besonders gravierend stellte sich das Problem der Unterkapazität bei den zu deponierenden Abfällen dar. Diese mussten fast ausschließlich in Anlagen entsorgt werden, die nicht der Verantwortung der HIM unterlagen. Sowohl aus ökonomischen als auch aus Gründen des verantwortungsvollen Umweltschutzes schien es unerlässlich, dass die HIM die benötigten Entsorgungskapazitäten selbst betrieb.

So plante die HIM die Errichtung einer obertägigen Deponie in Mainhausen und einer dritten Verbrennungsstraße in der Sonderabfallverbrennungsanlage Biebesheim. Die Presse kennzeichnete die damalige Situation mit Schlagworten wie "Sondermüllnotstand" und "rückwärts angehaltene Produktion". Für manche Sonderabfallarten bestanden Anlieferungsfristen von bis zu acht Monaten.


Die 90er Jahre: Markt und Unternehmen im Wandel

1989 erhielt die HIM per Rechtsverordnung den Auftrag des Landes Hessen, als Träger der Altlastensanierung tätig zu werden. Zur Erfüllung dieser Aufgabe wurde der Bereich Altlastensanierung (HIM ASG) gegründet. HIM ASG ist im Auftrag des Landes Hessen für die Sanierung von gewerblichen Altlasten tätig, in denen Sanierungsverantwortliche nicht oder nicht rechtzeitig herangezogen werden können. Das Geschäftsfeld Altlastensanierung gewann seitdem in starkem Maße an Bedeutung für die HIM und ist heute das zweite Standbein des Unternehmens. Wir arbeiten für private und öffentlich-rechtliche Kunden.

1991 erweiterte die HIM ihre Tätigkeit um die Entsorgung von kontaminierten Böden sowie der Errichtung und dem Betrieb von Zwischenlagern für die Sonderabfallkleinmengen aus Sammlungen für Haushalte und Kleingewerbe.

Auch die erste Hälfte der neunziger Jahre war von hohen Investitionen geprägt, die überwiegend Nachrüstmaßnahmen der Behandlungsanlagen zur Erfüllung gesetzlicher Auflagen betrafen (TA Abfall, 17. BImSchV).

1992 konnte die HIM mit über 780.000 Tonnen so viele Abfälle entsorgen wie nie zuvor. Zurückzuführen war dies auf eine große Menge kontaminierter Böden. Die Abfallanlieferung zu eigenen Anlagen war dagegen rückläufig, was auf konjunkturelle Einflüsse sowie Vermeidung und Verwertung von Abfallstoffen zurückzuführen war. Dazu kam, dass immer mehr bisher bei der HIM als Abfall entsorgte Rückstände nach außerhalb Hessens verbracht wurden.

1993 trat ein grundlegender Wandel bei der Entsorgungslage ein: Erstmals seit zehn Jahren waren in Deutschland freie Kapazitäten bei einzelnen Abfallbehandlungsanlagen vorhanden. Der "Entsorgungsstau" löste sich im Laufe des Jahres auf. Unter Druck geriet die Entsorgungsbranche auch durch das zunehmende Mitverbrennen von Sonderabfällen in Zement- und Kraftwerken. Dazu kam, dass, trotz des rückläufigen Marktes, Kapazitäten in Deutschland für die Sonderabfallverbrennung geschaffen wurden und bestimmte Anlagen entsprechend nachgerüstet wurden.

Die HIM trug dieser neuen Marktlage Rechnung und gab die geplante Kapazitätserweiterung für die Sonderabfallverbrennungsanlage ebenso auf wie ein Jahr später die geplante und teilweise errichtete Sonderabfalldeponie in Mainhausen.

1994 wurde das Stammkapital der HIM um DM 21 Mio auf DM 57,9 Mio erhöht. Ende 1994 betrug die Eigenkapitalquote 24 %. Die Beendigung des Projektes Mainhausen steht für eine Wende der hessischen Entsorgungspolitik und der Firmenpolitik der HIM, da sie mit zwei bedeutenden Konsequenzen verbunden war: Hessen änderte seine Zielsetzung, hessische Abfälle ausschließlich in Hessen zu entsorgen, zugunsten einer länderübergreifenden Zusammenarbeit. Die Öffnung der HIM für einen außerhessischen Gesellschafter war der Start für ein überregionales Engagement unseres Unternehmens.

Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz von 1996 manifestierte die Pflichtenhierarchie "Vermeiden- Verwerten- Beseitigen". Im weiteren Verlauf der neunziger Jahre verschärfte sich der "Kampf um den Abfall" zunehmend. Während die Abfallbeseitigung in hochmodernen, dafür errichteten Spezialanlagen mit strengen gesetzlichen Anforderungen erfolgt, fanden und finden Abfallverwertungen wie z. B. die Mitverbrennung von heizwertreichen Abfällen in Zementwerken umwelttechnisch auf oft niedrigem Niveau statt. Die Abwanderung dieser Abfallströme führte dazu, dass der bisherige Verkäufermarkt mit Unterkapazität zum Käufermarkt mit Angebotsüberhang wurde. Diese Situation und der zu erwartende Marktbereinigungsprozess verlangte von vorausschauenden Unternehmen auch Umorientierungen im Bereich der Kundenbeziehung. Die HIM schuf 1996 deshalb eine Beratungsstruktur, die auf die Probleme und Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet ist.

Fünf Kundenteams in Biebesheim sind so organisiert, dass sie jeweils Branchen oder Kundensegmente mit ähnlichen Aufgaben betreuen. Auch Marketing wurde zu einer Arbeitsgröße und als Funktion implementiert. Heute versteht sich die HIM als Partner ihrer Kunden, der Gesamtlösungen für alle Probleme der Entsorgung und Sanierung bietet. Dass wir über eigene Verwertungs- und Beseitigungsanlagen verfügen können, ist ein großer Vorteil für den Abfallerzeuger. Die HIM - Betriebe optimierten ihre Abläufe und erhöhten damit ihre Durchsätze erheblich.


Das neue Jahrtausend: Ausbau und Weiterentwicklung

Neben dem gesetzlichen Auftrag der Entsorgung von besonders überwachungsbedürftigen Abfällen aus Hessen engagiert sich die HIM heute verstärkt national und international. 2000 übernahm die HIM die SONDERABFALLENTSORGUNG BADEN-WÜRTTEMBERG GmbH (SBW) und kann seitdem auf zwei weitere Anlagen in Stuttgart und Billigheim zurückgreifen.

In Stuttgart betreuen zwei Kundenteams baden-württembergische Kunden für deren Entsorgungs- und Sanierungsaufgaben. Seit unserem Engagement in Baden-Württemberg firmieren wir nicht mehr als HESSISCHE INDUSTRIEMÜLL GmbH, die Marke HIM wurde beibehalten.